Entwicklungen im Taschenlampen-Sektor: Jahresrückblick und Prognosen zu 2019

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, und ein neues steht vor der Türe. Zeit also, um das vergangene Jahr im Hinblick auf Entwicklungen im Taschenlampen-Sektor Revue passieren zu lassen und auch gleichzeitig einen Ausblick auf 2019 und mögliche Entwicklungen und Trends zu wagen. Ich weise an dieser Stelle ausdrücklich darauf hin, dass es sich um meine persönliche Einschätzung handelt und ich deshalb auch falsch liegen kann – das wird sich dann spätestens in einem Jahr zeigen…

Lumenmonster: Wie geht die Entwicklung weiter?

Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass keine massiven Entwicklungssprünge mehr zu erwarten sind, es sei denn, irgendjemand schafft es, die Gesetze der Physik speziell im Hinblick auf Hitzeentwicklung außer Kraft zu setzen. Das dürfte aber sehr unwahrscheinlich sein, und insofern erwarte ich, dass es maximal noch geringe Ausschläge nach oben gibt. Wenn man sich Leuchtmonster wie die Acebeam X70 mit 60000 Lumen(!) anschaut, dann wird schnell klar, dass es oftmals nur noch um reines Marketing frei nach dem Motto “Oh, das neue Highend-Modell von Mitbewerber X ist 2000 Lumen heller als unseres, das müssen wir unbedingt toppen!” geht. Zum einen machen 2000 Lumen den Kohl nicht fett, und zum anderen trägt jedes Lumen zusätzlich zur Hitzeentwicklung und kürzeren Laufzeiten bei. Mehr noch: Ohne aufwändige Hilfsmittel wie Ventilatoren im Lampenkopf zur aktiven Kühlung geht es in diesem Bereich nicht mehr. Es gibt natürlich Einsatzbereiche, in denen Lumenzahlen im fünfstelligen Bereich hilfreich sind, aber dort liegt der Schwerpunkt dann in der Regel nicht auf maximaler Helligkeit, sondern auf einer ausgewogenen Mischung aus Dauerbetriebsfestigkeit, Laufzeiten und Lumen.

Es wird mit Sicherheit auch 2019 wieder Modelle mit enormer Helligkeit geben, die jeder Flashaholic gerne hätte, aber solche Taschenlampen – oder vielleicht eher mobile Scheinwerfer – werden die Messlatte aus meiner Sicht nicht auf rekordverächtiges Niveau hieven.

EDC-Taschenlampen

Hier gibt es meines Erachtens einen Trend in Richtung 18350-basierter Taschenlampen. Viele Modelle, die schon länger auf dem Markt sind, setzen auf 16340-Akkus, wie beispielsweise die altbewährte Lumapower IncenDio V3X. Dieses Format sorgt für kompakte EDC-Taschenlampen, ist aber gleichzeitig hinsichtlich der Energiedichte und Laufzeiten modernen 18350-Akkus (z.B. Shockli 18350 1150 mAh IMR) unterlegen. Ein guter 16340-Akkus verfügt in der Regel zwischen 650-700 mAh Kapazität und kann es mit 1150-1200 mAh Kapazität eines 18350-Akkus nicht aufnehmen. Hinzu kommt, dass viele EDC-Taschenlampen mittlerweile problemlos über 2000(!) Lumen erzielen können, sofern sie mit entsprechenden (IMR-)Akkus betrieben werden. Ein geschützter Lithium-Ionen-Akku kann nur in den seltensten Fällen einen dermaßen hohen Entladestrom liefern, was sich dann dergestalt äußert, dass eine derartige Taschenlampe entweder gar nicht oder nur bedingt funktioniert – in vielen Fällen schaltet die Lampe dann beim Wechsel in den High Mode oder Turbo Mode dann einfach ab.

Ebenfalls zu beobachten ist bei EDC-Taschenlampen wie der MSITC Mateminco S02, der MSITC Mateminco S03 oder der MSITC Manker E14 II, dass ein als Zubehör erhältliches 18650-Akkurohr den schnellen Wechsel des Akkuformats ermöglicht – entweder kompakt mit 18350-Betrieb, oder etwas größer und mit längeren Laufzeit bei Betrieb mit einem 18650-Akku. Einbußen bei der Helligkeit müssen in beiden Fällen nicht hingenommen werden, sobald hochwertige IMR-Akkus zum Einsatz kommen.

Aus meiner Sicht sind auch hier keine großen Leistungssteigerungen mehr zur erwarten. Über 2000 Lumen sind eine starke Leistung für kompakte EDC-Taschenlampen, allerdings ist die Hitzeentwicklung der limitierende Faktor. Sinnvoller wäre es vielmehr, an den Laufzeiten zu feilen bzw. die Elektronik/den Treiber zu optimieren. Nichtsdestotrotz gehe ich davon aus, dass auch 2019 neue Modelle zu sehen sein werden, die verstärkt auf das 18350-Format setzen werden.

Akkus

Eine adäquate Energieversorgung ist für moderne Hochleistungstaschenlampen – egal, welcher Größe – eine zwingende Voraussetzung. Ich möchte an dieser Stelle nicht die Vor- und Nachteile von geschützten/ungeschützten Lithium-Ionen- und IMR-Akkus erörtern; dazu findet man im Internet genügend Informationen. Stattdessen möchte ich mich auf meine Praxiserfahrungen beschränken, und dort gibt es einen klaren Trend Richtung IMR-Akkus. Das fing mit dem Erscheinen der Niwalker Nova MM15 an und betrifft im Prinzip alle modernen Hochleistungstaschenlampen, wie beispielsweise die MSITC Mateminco MT18 mit 12000 ANSI-Lumen. Mit geschützten Lithium-Ionen-Akkus lassen sich solche Taschenlampen nicht mehr betreiben, da selbst ein guter geschützter Lithium-Ionen-Akku nicht mehr als 10A Entladestrom liefern kann – benötigt wird aber deutlich mehr. Spätestens bei mehrzelligen Taschenlampen geht nach meiner Erfahrung mit geschützten Lithium-Ionen-Akkus gar nichts mehr, und da ich unseren Kunden aus guten Gründen die Verwendung von ungeschützten Lithium-Ionen-Akkus nicht empfehle, heißt die klare Alternative IMR-Akku.

Taschenlampen-Hersteller wissen, dass der Verbraucher bei jedem neuen Modell erwartet, dass es noch leistungsfähiger und heller ist als der Vorgänger oder auch Produkte von Mitbewerbern. Aus diesem Grund gehe ich auch davon aus, dass neu entwickelte Modelle immer mehr auf IMR-Akkus setzen werden. Es gibt heute schon Hersteller wie Klarus oder Nitecore, die deutlich darauf hinweisen, dass die jeweiligen Modelle den höchsten Wirkungsgrad nur mit dem im Lieferumfang enthaltenen Akku erzielen können, und das sind üblicherweise wie gesagt IMR-Akkus.

Integrierte Lademöglichkeit

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wer der erste Hersteller war, der eine Lademöglichkeit für Akkus in seine Modelle integriert hat. Fakt ist aber, dass heutzutage viele Taschenlampen das Laden des/der Akkus via USB-Kabel oder externem Ladegerät ermöglichen. Grundsätzlich finde ich das gut, denn USB ist zum einen in der IT schon lange Standard und zum anderen senkt es die Investion deutlich, wenn man als Verbraucher kein zusätzliches Ladegerät mehr erwerben muss, um sofort loslegen zu können.

Dem halte ich jedoch entgegen, dass eine integrierte Lademöglichkeit für Akkus sich eher auf einem einfachen Niveau bewegt: Der Ladevorgang wird in der Regel durch grünes oder rotes Leuchten signalisiert, und bei Erreichen der Ladeschlussspannung wird der Ladevorgang beendet. Ob das wirklich so ist, sieht man einem Akku von außen nicht an, denn ein Display wird man üblicherweise vergeblich suchen, auf dem den Akkustatus auf einen Blick erkennen kann. Das mag vielleicht bei einer einzelligen Taschenlampe noch gehen, aber spätestens bei größeren Taschenlampen, die zum Betrieb drei oder vier Akkus benötigen, empfehle ich unseren Kunden generell ein externes Ladegerät, um sicherstellen zu können, dass alle Akkus einwandfrei funktionieren. Hochwertige und gute Ladegeräte wie beispielsweise von XTAR bekommt man man schon für kleines Geld, und das sollte einem die eigene Sicherheit schon wert sein. Da es erfahrungsgemäß auch nicht bei einer Taschenlampe bleibt, sondern oft schon bald die nächste folgt, amortisiert sich ein externes Ladegerät schon recht bald, denn es ermöglicht nicht nur Eine bessere Kontrolle von Akkus, sondern bietet auch noch zahlreiche andere Komfortfunktionen und kann Akkus darüber hinaus auch deutlich schneller laden.

Große Innovationen oder eher doch nicht?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Nein, ich werde an dieser Stelle nicht über ein neues Taschenlampen-Modell berichten, dass 2019 auf den Markt kommt und alles bisher dagewesene um Längen schlägt. Ich bin eher davon überzeugt, dass sich wirklich spektakuläre Innovationen an einer Hand abzählen lassen – so sie denn überhaupt kommen. Unter echter Innovation verstehe ich Taschenlampen wie beispielsweise die Niwalker Nova MM18, die mittlerweile in der dritten Generation vorliegt und erstaunlicherweise bis heute keine nennenswerten Nachahmer gefunden hat. Ein ähnliches Konzept mit einem Mix aus Flood und Throw ist mir nur in Form der MSITC Manker MK39 bekannt, aber ansonsten habe es selbst die Major Player vorgezogen, keine Entwicklungsanstrengungen in dieser Richtung zu unternehmen.

Ich weiß von Niwalker, dass die Entwicklung der MM18 gewaltige zeitliche, personelle und finanzielle Ressourcen gekostet hat, und das dürfte für die meisten Hersteller auch der Grund sein, lieber bei Mainstream-Produkten zu bleiben. Ebenso weiß ich auch von Herstellern, die bereits Prototypen von wirklich interessanten Taschenlampen produziert hatten, dass ihnen das Kostenrisiko für die Produktion eines völlig neuen Modells schlussendlich doch zu hoch war, denn niemand verlässt sich auf die Glaskugel, um den wirtschaftlichen Erfolg vorhersehen zu können. Viele Hersteller tun sich ja mit kleinen Änderungen schon schwer, wenn es z.B. um marginale Modifikationen am UI geht. Oder hat jemand tatsächlich schon mal erlebt, dass ein Hersteller aufgrund zahlreicher negativer Rückmeldungen tatsächlich nochmal von vorn beginnt und ein UI genau so implementiert, wie es die breite Masse der Anwender gerne hätte? Ich als Händler jedenfalls nicht.

Von daher gehe ich davon aus, dass echte Innovationen wie eingangs bereits erwähnt eher rar gesät sein werden. Da bleibt der ein oder andere Hersteller dann doch lieber dabei, im Monatsrythmus vermeintlich neue Modelle zu releasen, die sich aber tatsächlich aus technischer Sicht kaum voneinander unterscheiden.

LED-Weiterentwicklung

CREE als Marktführer bringt zwar durchaus mal die ein oder andere interessante Neuentwicklung auf den Markt, aber auch hier sollte man sich eher darauf einstellen, dass es nichts wirklich spektakuläres geben wird. Mal ganz ehrlich: Ob eine neue LED nun um 300 Lumen heller ist als der Vorgänger oder sich damit 100 Meter mehr Reichweite rauskitzeln lassen, ist aus meiner Sicht zwar nett, aber kein technologischer Quantensprung. Vielleicht würde ersthafte Konkurrenz für mehr Artenvielfalt sorgen; bei AMD und Intel hat es schließlich auch zu einer deutlich größeren Produktauswahl und signifikanten Preisunterscheiden im Prozessbereich geführt…

Akkuformate

Ich tue mir ehrlich gesagt etwas schwer, hier eine eingermaßen treffsichere Aussage zu formulieren. Jedes populäre Format wie 16340, 18350, 18650, 21700 und 26650 hat Vor- und Nachteile, und man kann sie natürlich auch nicht direkt miteinander vergleichen. Ganz grob würde ich sagen, dass ein 26650-Akku wie der Shockli IMR-Akku mit 5500 mAh natürlich mit die längste Laufzeit bietet, während ein 21700-Akku die Vorteile von 18650- und 26650-Akkus miteinander verbindet, denn ein guter 21700-Akku bietet deutlich mehr Kapazität als ein 18650-Akku und ermöglicht den Bau von kompakten Taschenlampen mit ordentlicher Laufzeit, während hingegen 26650-basierte Taschenlampen einen Tick größer sind, aber dafür ein Optimum an Laufzeit ermöglichen, sofern eine Taschenlampe mit einem effizienten Treiber ausgestattet ist.

Von daher tippe ich darauf, dass es auch in 2019 keinen Durchbruch für ein bestimmtes Format geben wird. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass sich das 20700-Format nicht durchsetzen wird – wenn man sich die Modelle anschaut, die auf diesem Akkuformat basieren, dann dürfte sehr wahrscheinlich eine Hand zum Zählen völlig ausreichend sein.

Fazit

Ich habe meine Meinung weiter oben schon zu den einzelnen Themen kundgetan, deshalb fasse ich mich an dieser Stelle kurz: Ja, es wird natürlich auch in 2019 wieder zahlreiche neue Taschenlampen geben, aber ob sich darunter auch etwas wirklich bahnbrechendes befinden wird, wage ich zu bezweifeln. Kaum ein Hersteller möchte hohe finanzielle Risiken bei der Entwicklung von echten Innovationen eingehen, stattdessen wird man sich wahrscheinlich eher auf den Mainstream-Markt konzentrieren und versuchen, dort entsprechende Absatzzahlen zu erzielen. Wie auch immer: Es wird spannend bleiben, die Entwicklung im Taschenlampen-Sektor zu verfolgen. 🙂

 

Posted in Ausrüstung, MSITC Mankerlight, MSITC Mateminco, MSITC Shop, Shockli, Taschenlampen and tagged , , , , , , , , , , .